FAQ

Was ist Disulfiram?

Disulfiram ist eine organische Verbindung, die als Medikament zur Behandlung der Alkoholsucht verwendet wird. Die Wirkung des Stoffes besteht darin, dass er den vollständigen metabolischen Abbau von Alkohol hemmt. Diese Verbindung blockiert den Abbau von Alkohol im Körper. Sie hemmt die Wirkung des Enzyms Aldehyddehydrogenase, wodurch die Oxidation von Acetaldehyd zu weniger schädlichen Essigsäuren gestört wird. Im Körper kumuliert sich Acetaldehyd, was zu Vergiftungserscheinungen führt (sog. Disulfiram-Reaktion). Das Einsetzen von Produkten, die Disulfiram enthalten (Disulfiram, Esperal, Antabuse, Tetradin, Refusal, Anticol, Tenutex und andere) gehört zu einer der Behandlungen von Alkoholsucht, die als aversive Therapie bezeichnet wird. Nach der Verabreichung der Arznei (im Behandlungsangebot von AFL wird der Stoff durch einen chirurgischen Eingriff unter die Haut eingeführt, wodurch seine kontinuierliche Freisetzung in den Körper erfolgt), bewirkt der Alkoholkonsum eine sehr unangenehme Reaktion des Körpers. Die Angst vor Reaktion kann den Patienten vom Alkoholkonsum abhalten. Während die Einnahme von Disulfiram-Tabletten nicht mehr wirkt, wenn sich der Patient entschieden hat, die Arznei nicht einzunehmen, dauert die Wirkung von Disulfiram etwa ein Jahr. Es ist eine große Chance für den Patienten, der nun sein Leben nüchtern und bewusst betrachten kann, um sich einer richtigen Therapie zu unterziehen. Die erste Forschung, welche die mögliche Verwendung von Disulfiram bei der Behandlung von Alkoholismus in Erwägung zog, hatte bereits 1937 begonnen, nachdem eine negative Reaktion auf Alkohol bei den Mitarbeitern der Chemie- und Kautschukbranche festgestellt wurde, die ihren Derivaten  ausgesetzt waren. Für die Behandlung von Alkoholismus wurde Disulfiram 1948 von Dänen als Unterstützung bei der Psychotherapie eingeführt. Das Medikament wurde zugelassen und wird in vielen Ländern seit über 70 Jahren verwendet. Für Neugiriege: Helge Kragh, From Disulfiram to Antabuse: the Invention of a Drug, University of Aarhus: http://www.scs.illinois.edu/~mainzv/HIST/bulletin_open_access/v33-2/v33-2%20p82-88.pdf

Ist Disulfiram in Deutschland erhältlich?

Disulfiram wurde in Deutschland zugelassen und wird bei der Behandlung der Alkoholsucht seit etwa 60 Jahren verwendet. Es wurden mehrere Studien durchgeführt (lesen Sie die unten stehenden Artikel), die die Wirksamkeit von Disulfiram bei der Behandlung der Alkoholabhängigkeit und die Unterstützung der Wirksamkeit der gesamten Suchttherapie bewiesen. Das Interesse an diesem Medikament wird unter Medizinern immer größer. Leider wurde Ende April 2011 Antabuse (Disulfiram) zurückgezogen. Das Streichen verfügbarer Arzneien aus der Arznei-Liste erfolgte nicht aus klinischen oder pharmakologischen Gründen, sondern infolge technischer Schwierigkeiten bei der Herstellung der Arznei. Deshalb gibt es derzeit keine Möglichkeit, die Implantation von Disulfiram in Deutschland durchzuführen. Sie haben aber das Recht, innerhalb Europa zu reisen und uns in Lodz zu besuchen, wo man eine solche Behandlung in Anspruch nehmen kann und wo man von einem lokalen Arzt verordnete und rezeptpflichtige Arznei erhält. Erfahren Sie mehr: NDR, Interview zum Thema Alkoholsucht: https://youtu.be/ZBL8rbxtsNY Aktuelle Informationen zu Disulfiram (Antabuse®): http://www.cra-kongress.de/fileadmin/Informationen/Mai_2011_-_Aktuelle_Informationen_zu_Disulfiram__Antabus_.pdf Lisa Ulmer, Wirksamkeit und Behandlungsverlauf von Disulfiram und Acamprosat unter abstinenzerhaltender Therapie bei Alkoholabhängigkeit, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/11396/1/diss10_121.pdf Stephanie Kunz, Warum Antabus für interdisziplinäre psychosoziale Therapiekonzepte mit Alkoholpatienten eine unentbehrliche Option ist, CRA-Kongress: http://www.cra-kongress.de/kongress/2-programmtag-freitag-18-maerz/antabus-eine-unentbehrliche-option/ http://www.cra-kongress.de/uploads/media/1_CRA_Kongress_-_Vortrag_-_Antabus_-_eine_unentbehrliche_Option_02.pdf Walter Willems, Dauerhaft trocken bleiben, 2006: http://www.stern.de/gesundheit/alkohol-therapie-dauerhaft-trocken-bleiben-562824.html

Gegenanzeigen für die Implantation von Disulfiram

Gegenanzeigen für die Implantation von Disulfiram: Empfindlichkeit gegen den Wirkstoff Disulfiram – Anticol, Antabus, Esperal und Thiocarbamate, d.h.  organische Substanzen, die unter anderem in manchen Fungiziden vorkommen. Die Trunkenheit, der Konsum von Getränken mit Ethylalkohol oder die Verwendung von alkoholhaltigen Produkten innerhalb von 12 Stunden vor dem Eingriff. Eine festgestellte Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, vorher diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Psychische Störungen, Psychosen (mit Ausnahme von akuten Alkohol-Psychosen), Bei der Anamnese festgestellte Suizidgefährdung.  

Unerwünschte Wirkungen nach dem Einsetzen von Disulfiram

Einer der Forscher, Dr. Colin Brewer behauptete: „Im Vergleich zur  toxischen Wirkung von Alkohol ist die Toxizität von Disulfiram banal.” Nach der Implantation können Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen, metallischer Nachgeschmack oder Knoblauch-Geschmack  im Mund vorkommen, vorübergehende Impotenz auftreten oder der Patient wird schnell müde. In seltenen Fällen wurde über psychotische Reaktionen einschließlich Depression, Paranoia, Schizophrenie und Manie berichtet. Mögliche Komplikationen In einigen Fällen kommt es zur Abstoßung von Disulfiram, das bedeutet, der Körper verträgt den Fremdkörper schlecht, in dem Fall die Disulfiram-Tabletten. Dies zeigt die Anschwellung der Implantat-Umgebung oder die austretende Blutflüssigkeit. Der Patient sollte sofort einen Arzt aufsuchen, um in vielen Fällen der Reaktion auf einen Fremdkörper entgegen zu wirken. Solche Fälle sind jedoch relativ selten. Es kommt seltener vor, dass die genähte Wunde wegen der auf der Haut lebenden Bakterienflora eitert. Die Narbe kann nach dem Nähen wuchern. Es ist eine seltene Komplikation, die unabhängig von wahrnehmbaren Faktoren auftritt und als Folge individueller Veranlagung vermutet wird. Eine weitere berichtete Komplikation ist die Disulfiram-Allergie, die auf der genähten Stelle erscheint und allgemeine Symptome wie Juckreiz oder Hautausschlag hervorruft. In Zweifelsfällen und/oder bei Komplikationen sollte der Patient umgehend einen Arzt aufsuchen.  

Wie gefährlich ist der Alkoholkonsum nach der Implantation von Disulfiram?

Während der Behandlung mit Disulfiram gilt ein absolutes Alkoholverbot. Ein Alkoholkonsum während der Behandlung mit Disulfiram kann lebensbedrohliche Symptome verursachen. In dem Fall führt der Alkoholkonsum zur Erhöhung des Acetaldehyd-Spiegels und zu Vergiftungserscheinungen – es ist die sogenannte Disulfiram-Reaktion oder Acetaldehyd-Vergiftung, d.h. eine akute Alkoholunverträglichkeit. Der Körper reagiert selbst nach dem Verzehr einer minimalen Alkoholmenge. Die Stoffwechselstörungen bei dem Abbau von Alkohol treten auf  durch die Hemmung der Wirkung des Enzyms – der Aldehyddehydrogenase, die normalerweise den Acetaldehyd (toxische Verbindung) zu weniger schädlichen Essigsäuren oxidiert. Die Kumulation von Acetaldehyd im Körper kann diese Folgen haben: Erweiterung der Blutgefäße (Hautrötungen am Gesicht), niedriger Blutdruck, schneller Herzschlag, übermäßiges Schwitzen, Atemstörungen, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Angstzustände, Sehstörungen, Verwirrung, irreversible Veränderungen in der Leber. Diese Symptome können mehrere Stunden anhalten. Eine Disulfiram-Reaktion kann das Krankheitsbild von solchen Erkrankungen wie Nierenversagen, Leberinsuffizienz, Atemwegserkrankungen oder Herzinsuffizienz, Diabetes, Epilepsie verschlimmern. Es wurden Todesfälle bei Patienten mit eingesetztem Disulfiram nach dem Alkoholkonsum berichtet. Die Symptome einer Alkoholunverträglichkeit können auch nach der Verwendung von alkoholhaltigen Flüssigkeiten wie: Mundwasser, Saucen, Essig, Hustensäfte, Erwärmungsmittel, Rasierwasser und andere alkoholhaltige Pflegemittel sowie Pralinen mit Alkohol/Likör vorkommen. Diese Produkte sind zu vermeiden. Der Kontakt mit organischen Lösungsmitteln während der Disulfiram-Behandlung, die Alkohol, Acetaldehyd oder Paraldehyd enthalten, kann ebenso eine Disulfiram-Reaktion hervorrufen. Die Verstärkung der Symptome hängt von der verzehrten Ethanol-Menge ab; diese können von 30 bis 60 Minuten und sogar ein paar Stunden andauern. In schweren Fällen, wo die Blutalkoholkonzentration über 125-150 mg / 100 ml hinausgeht, können Atemstillstand, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzversagen, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle auftreten. Seltene Fälle, die nicht behandelt werden, können tödlich ausgehen. Disulfiram wird nur in Verbindung mit Alkohol aktiviert – das Präparat wirkt nicht mit anderen Medikamenten und zeigt keine Nebenwirkungen.  

Ist diese Methode für mich die Richtige?

Vor der Behandlung werden Sie gebeten, einen Gesundheitsfragebogen auszufüllen, um auf Nummer sicher zu gehen, dass diese Methode Ihre Gesundheit nicht gefährdet. Außerdem, besprechen Sie alles mit dem Chirurgen, um alle Angaben zu bestätigen. Wenn Sie sich zusätzlich vergewissern wollen, ob diese Methode für Sie die Richtige ist, lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten. Die Behandlung der Alkoholsucht mit Disulfiram soll ausschließlich bei einem solchen Patienten durchgeführt werden, der mitmacht und dem bewusst ist, welche Gefahr das Trinken nach der Implantation von Disulfiram mit sich bringen kann. Als Patient müssen sie motiviert werden, um die Sucht bekämpfen zu können. Disulfiram (auch als Esperal oder Antabuse bekannt) wird in vielen Ländern weltweit als Mittel gegen Alkoholismus eingesetzt. Selbst eine kleine Menge von Alkohol kann innerhalb von einigen Minuten nach der Einnahme des Medikaments äußerst unangenehme Reaktionen des Körpers hervorrufen, wodurch bei dem Betroffenen die Abneigung gegen Alkohol entsteht. In den meisten Ländern, die Disulfiram anwenden, wird das Präparat in Form von Tabletten verabreicht. Es ist vorstellbar, dass man ohne strenge Überwachung die Tabletten absetzen und wieder trinken kann. Das Einsetzen des Implantats macht es unmöglich die Einnahme des Präparats abzubrechen. Auf diese Weise gewöhnt man sich daran, um den Alkohol einen großen Bogen zu machen, wobei der Alkoholkonsum solange verhindert wird, bis  sich der Patient an das Leben ohne Alkohol gewöhnt hat. Laut manchen Studien (z.B. C. R. Whyte und PMJ O’Brien) gilt das Disulfiram-Implantat als Erfolgsfaktor bei längeren Abstinenz-Perioden. Der Betroffene kann sich an die Nüchternheit gewöhnen. Das Einsetzen von Disulfiram ist vor allem in fortgeschrittenen Stadien von Alkoholismus besonders effektiv. Bedenken Sie jedoch, dass langfristige Auswirkungen in erster Linie vom Willen abhängen, die Sucht  überwinden zu wollen.  

Wie hoch ist die garantierte Wirksamkeit der Behandlung?

Im Falle von Disulfiram handelt es sich um eine erzwungene Abstinenz. Parallel soll eine angemessene und unter voller Einbeziehung des Patienten geführte Entziehungskur stattfinden, um die Symptome der Sucht behandeln zu können. Einer erfolgreichen Therapie sollen der starke Wille und die Motivation zur Heilung zu Grunde liegen. Disulfiram hilft dem Patienten einen neuen Lebensstil zu erlernen, „trocken” zu bleiben und außerdem soll das Medikament ihn beim Üben der Selbstkontrolle unterstützen. Die Implantation von Disulfiram hilft der süchtigen Person über eine lange Zeit (ca. ein Jahr) trocken zu bleiben, was im Leben eines Alkoholikers immerhin einen erheblichen und wichtigen Gewinn darstellt. Was die Abstinenz selbst anbetrifft, wirkt Disulfiram, laut einer Studie, deutlich effektiver als Placebo. Im Vergleich zur Einnahme von Disulfiram-Tabletten wirkt das Disulfiram-Implantat viel effektiver – dies bezieht sich sowohl auf die die Entwöhnungsphase, die Aufrechterhaltung des Entzugs als auch die Erweiterung einer aktiven Teilnahme und der Einbeziehung des Patienten im Rahmen einer entsprechenden psychologischen Therapie. Nachdem sie zu ihrem Leben wiedergefunden haben, bleiben dank der Implantation 75% unserer Patienten trocken, wobei die Hälfte von ihnen eine entsprechende Therapie begonnen und es geschafft hat, sie fortzusetzen. Erfahren Sie mehr: Wilson A, Davidson WJ, White J. Disulfiram implantation: placebo, psychological deterrent, and pharmacological deterrent effects. Br J Psychiatry. 1976;129:277–280. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/786421 D. Skinner, P. Lahmek, H. Pham, and H.J. Aubin, Jerson Laks, Editor, Disulfiram Efficacy in the Treatment of Alcohol Dependence: A Meta-Analysis: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3919718/ Incorporating Alcohol Pharmacotherapies Into Medical Practice, Center for Substance Abuse Treatment: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK64036/ Allan Wilson, Ph.D, Evaluating disulfiram implantation, University of Manitoba: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1880083/pdf/canmedaj01513-0018.pdf (p. 722)